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Sonnets 102
#1
William Shakespeare
1564 – 1616 England



CII.

My love is strengthen'd, though more weak in seeming;
I love not less, though less the show appear:
That love is merchandized whose rich esteeming
The owner's tongue doth publish every where.
Our love was new and then but in the spring
When I was wont to greet it with my lays,
As Philomel in summer's front doth sing
And stops her pipe in growth of riper days:
Not that the summer is less pleasant now
Than when her mournful hymns did hush the night,
But that wild music burthens every bough
And sweets grown common lose their dear delight.
Therefore like her I sometime hold my tongue,
Because I would not dull you with my song.

.
#2
Übersetzung von
Terese Robinson



CII.

Stark ist mein Lieben, ob es gleich entbehrt
Des hellen Scheins, im Wort sich schwach erweist;
Zur Ware wird die Liebe, deren Wert
Auf Markt und Gassen der Besitzer preist.
Als jung die Liebe, Frühling überall,
Da grüßt ich täglich sie mit neuem Lied;
So singt im Lenzesrausch die Nachtigall
Und schweigt, wenn erster Sommerglanz entflieht.
Nicht daß der Sommer nun an Liebreiz leer,
Seit sie der Nacht kein Klagelied mehr weiht,
Doch wenn ein jeder Ast von Liedern schwer,
Wird Süßes reizlos durch Alltäglichkeit.

Darum gleich ihr, verstumme ich so lang,
Daß nie dein Herz wird taub für meinen Sang.



.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
#3
In der Übersetzung von
Johann Gottlob Regis



CII.

Mein Lieben, scheinbar schwächer, ist vermehrt;
Nicht lieb’ ich minder, weil sich’s mehr verhehlt;
Die Lieb’ ist Ware, deren reichen Wert
des Eigners Zunge aller Welt erzählt.

Im Lenz war unsre Liebe neu; und helle
Hab’ ich sie da mit meinem Lied begrüßt,
Wie Philomele singt auf Sommers Schwelle,
Und spätern Tagen ihre Kehle schließt.

Nicht weil mir Sommer minder jetzt gefällt
Als da ihr Festlied noch die Nächte weihte;
Nein, weil Musik itzt wild aus allen Zweigen gellt,
Und am Gewöhnlichen erstarrt die Freude.

Darum, wie sie, bin ich zuweilen still,
Weil ich mit Sang dich nicht betäuben will.


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.


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