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Rodenberg, Julius: Musikalische Sonette
#1
Julius Rodenberg
(eig. Levy)
1831 – 1914


Musikalische Sonette

I. - Felix Mendelsohn-Bartholdy


Durch meine Seele zieht das Lied vom Rheine,
Der deutsche Sehnsuchtssang, halb Lust, halb Klage,
Der gleich dem Strom im sanften Wogenschlage
Melodisch fließt um schroffe Felsgesteine.

Um alte Burgen, ganz bekränzt von Weine,
Daraus mit blauem Auge blickt die Sage –
Um dunkle Dome, die der fernen Tage
Tiefernster Geist durchwallt im Dämmerscheine.

Doch plötzlich welch ein Ton und welch ein Schimmern!
Hörst Du nicht Harfen klingen über’m Strome?
Siehst Du nicht goldnes Haar im Mondlicht flimmern?

Und gingst Du selber nicht bei solchem Werben
Der zaubrisch süßen Sommernachtsphantome,
Wenn Du der Schiffer wärst, in Dein Verderben?



.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
#2
II. -  Frederic Chopin

Chaussee d’Antin, Parfüm und Brüssler Spitzen!
Die Creme des Faubourg schmachtend hingegossen
Und träumerisch vom Clair-Obscür umflossen,
Auf schwellender Causeusen Damastsitzen.

Und hier ein Herz, das krank in Fieberhitzen
Verglüht, der Freuden satt, die es genossen –
Und das die Nacht, die schwül sich rings geschlossen
Noch einmal grell durchzuckt mit seinen Blitzen.

Dieß ist der Hintergrund für mich, die Scene,
So oft mich einer Deiner wilden Reigen
Begeistert, und mich mahnt an die Arene.

Ha, welch ein Schauspiel! – ihn vom Becher nippen
Den gift’gen Rausch zu sehn, und sich verneigen
Ein schmerzlich „ave Caesar“ auf den Lippen!


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.
#3
III. - Robert Schumann

O dunkel, tief! – Nacht ohne Mond und Sterne,
Wild schwingt der Sturm zerrissne Wolkenfahnen.
Wie folg’ ich diesem Geist auf seinen Bahnen?
Vielleicht erreicht er Land – doch es ist ferne.

In fremde Welt vertief’ ich mich so gerne,
Doch muß sie geistverwand mein Innres mahnen;
Hier aber steh ich nur mit dumpfem Ahnen,
Und weiß nicht, wie ich ihn begreifen lerne.

Und doch kann ich den Blick nicht von ihm lassen,
Indem mich’s abstößt, zieht mich’s leise, leise,
Als müßt’ ich ganz voll Schauer ihn umfassen.

So war mir oft auf nächt’ger Alpenreise,
Wenn mir zur Seite, in den Felsentiefen,
Die Quellen stürzten und die Adler riefen.


.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.


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