24.04.2026, 00:10
Hans Leifhelm
1891 - 1947
Italienisches Sonett
Schon lagen bleiche Schatten in der Runde,
Vom Brunnen schritten, wie in alten Tagen,
Die Hände zur Amphore aufgeschlagen,
Die Frauen, süßes Schweigen auf dem Munde.
Die Stadt erstarb und durch die Dämmerstunde
Schwoll groß ein Rauschen, ferneher getragen,
Rauschen des Meeres wie aus Göttersagen,
Ich ging durchs Tor und kam zum feuchten Grunde.
Aus Wolkendünen stieg der Mond – am Strande
Sah wandeln ich ein schattenhaftes Paar –
War es ein Gott im irdischen Gewande
Mit der erwählten Jungfrau – oder war
Es nicht ein stummes Paar vom Totenlande,
Gemeuchelt einst von Malatestas Schar.
1891 - 1947
Italienisches Sonett
Schon lagen bleiche Schatten in der Runde,
Vom Brunnen schritten, wie in alten Tagen,
Die Hände zur Amphore aufgeschlagen,
Die Frauen, süßes Schweigen auf dem Munde.
Die Stadt erstarb und durch die Dämmerstunde
Schwoll groß ein Rauschen, ferneher getragen,
Rauschen des Meeres wie aus Göttersagen,
Ich ging durchs Tor und kam zum feuchten Grunde.
Aus Wolkendünen stieg der Mond – am Strande
Sah wandeln ich ein schattenhaftes Paar –
War es ein Gott im irdischen Gewande
Mit der erwählten Jungfrau – oder war
Es nicht ein stummes Paar vom Totenlande,
Gemeuchelt einst von Malatestas Schar.
Der Anspruch ihn auszudrücken, schärft auch den Eindruck.

