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Labung vom Kreuze
#1
Am Hochkreuz dort auf grünem Feldessaume
saß ich im Hauch der ersten Frühlingswinde;
Ein Veilchen sah ich, lieblich gleich dem kinde,
Das lächelnd aufwacht aus dem schönsten Traume.

Und wie ich's pflückte von dem heil'gen Raume,
Da kam ins Herz mir dieses Wort geschwinde:
"Wem anders dies zum treuen Angebinde,
"Als meinem Heiland dort am Leidensbaume?"

Und als das Blümlein nun die Wunde deckte
Der blut'gen Füße, drin der Nagel steckte,
Da war es mir, als ob's zur Lind'rung wäre;

Und war mir auch, als ob ich selbst empfange
Balsam des Herzens - und ich stand noch lange,
Das Bild betrachtend und die blut'ge Zähre.


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