Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Broch, Hermann: Sonett vom Altern
#1
Sonett vom Altern

Wald und Baum und Blatt und Rinde,
Teil von uns, der Bach, der Teich,
reich war die Welt, und wir so reich,
denn alles war Sprache, war Sprache dem Kinde,

war farbig, und trotzdem – wie seltsam – war bleich,
war schmerzhaft verwirrend, war seltsam geschwinde;
wir erfaßten den Reichtum und doch nur wie Blinde,
geöffnet dem Leben und verschlossen zugleich.

Krieg gibt es nun, ein lärmendes Morden,
indes, so sehr es draußen auch gellt,
in uns, da ist es stiller geworden,

und unsere Sprache ist nicht mehr die Welt:
Reichtum des Kindes, der ist uns verloren,
denn es ward uns das Ich statt dessen geboren.


Nachrichten in diesem Thema
Broch, Hermann: Sonett vom Altern - von ZaunköniG - 18.02.2014, 17:56

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste
Sonett-Archiv | Deutsche Übersetzung: MyBB.de, Powered by MyBB.com | © 2002-2026 by MyBB Group.
MyBB-Version: 1.8.40 | PHP-Version: 8.5.3
Assisted & Supported © 2021 - 2026 by Fontane  » Kaffeespende 
Das Sonett-Forum ist seit dem 20.01.2007 aktiv.
Seit  Jahr(en),  Monat(en),  Tag(en)  Stunde(n),  Minute(n),  Sekunden ist das  Sonett-Forum  Online.