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An eine schweigende Dulderin
#1
Dein weiches Herz verstehet wohl die Lieder,
Die aus der tiefsten Seele mir entquellen.
Ob Lust dazu, ob Leid die Brust mir schwellen,
Ich gebe nur, was ich empfunden, wieder.

Die Poesie mit leuchtendem Gefieder,
Wohl werth, das düstre Leben zu erhellen,
Wenn Schmerzen unser ganzes Seyn vergällen,
Sie schlingt um Herzen süße Blumenglieder.

Ein linder Balsam ist’s für wunde Seelen,
Zu fühlen, daß auch Andere gelitten,
Was sie so strenge fremden Blick verhehlen.

Wer selbst in schwerem Kampfe mitgestritten
Und Alles dieß in eigner Brust empfunden,
Der sieht auch fremde, tiefverhüllte Wunden!
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