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		<title><![CDATA[Sonett-Forum - Rainer Maria Rilke]]></title>
		<link>https://sonett-forum.de/</link>
		<description><![CDATA[Sonett-Forum - https://sonett-forum.de]]></description>
		<pubDate>Fri, 10 Jul 2026 14:32:42 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[Dame vor dem Spiegel]]></title>
			<link>https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32164</link>
			<pubDate>Wed, 08 Jul 2026 08:17:46 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-forum.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32164</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Dame vor dem Spiegel</span><br />
<br />
Wie in einem Schlaftrunk Spezerein<br />
löst sie leise in dem flüssigklaren<br />
Spiegel ihr ermüdetes Gebaren;<br />
und sie tut ihr Lächeln ganz hinein.<br />
<br />
Und sie wartet, daß die Flüssigkeit<br />
davon steigt; dann gießt sie ihre Haare<br />
in den Spiegel und, die wunderbare<br />
Schulter hebend aus dem Abendkleid,<br />
<br />
trinkt sie still aus ihrem Bild. Sie trinkt,<br />
was ein Liebender im Taumel tränke,<br />
prüfend, voller Mißtraun; und sie winkt<br />
<br />
erst der Zofe, wenn sie auf dem Grunde<br />
ihres Spiegels Lichter findet, Schränke<br />
und das Trübe einer späten Stunde.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Dame vor dem Spiegel</span><br />
<br />
Wie in einem Schlaftrunk Spezerein<br />
löst sie leise in dem flüssigklaren<br />
Spiegel ihr ermüdetes Gebaren;<br />
und sie tut ihr Lächeln ganz hinein.<br />
<br />
Und sie wartet, daß die Flüssigkeit<br />
davon steigt; dann gießt sie ihre Haare<br />
in den Spiegel und, die wunderbare<br />
Schulter hebend aus dem Abendkleid,<br />
<br />
trinkt sie still aus ihrem Bild. Sie trinkt,<br />
was ein Liebender im Taumel tränke,<br />
prüfend, voller Mißtraun; und sie winkt<br />
<br />
erst der Zofe, wenn sie auf dem Grunde<br />
ihres Spiegels Lichter findet, Schränke<br />
und das Trübe einer späten Stunde.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Das Wappen]]></title>
			<link>https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32168</link>
			<pubDate>Tue, 09 Jun 2026 07:40:27 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-forum.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32168</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Das Wappen</span><br />
<br />
Wie ein Spiegel, der, von ferne tragend,<br />
lautlos in sich aufnahm, ist der Schild;<br />
offen einstens, dann zusammenschlagend<br />
über einem Spiegelbild<br />
<br />
jener Wesen, die in des Geschlechts<br />
Weiten wohnen, nicht mehr zu bestreiten,<br />
seiner Dinge, seiner Wirklichkeiten,<br />
rechte links und linke rechts,<br />
<br />
die er eingesteht und sagt und zeigt.<br />
Drauf, mit Ruhm und Dunkel ausgeschlagen,<br />
ruht der Spangenhelm, verkürzt,<br />
<br />
den das Flügelkleinod übersteigt,<br />
während seine Decke, wie mit Klagen,<br />
reich und aufgeregt herniederstürzt.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Das Wappen</span><br />
<br />
Wie ein Spiegel, der, von ferne tragend,<br />
lautlos in sich aufnahm, ist der Schild;<br />
offen einstens, dann zusammenschlagend<br />
über einem Spiegelbild<br />
<br />
jener Wesen, die in des Geschlechts<br />
Weiten wohnen, nicht mehr zu bestreiten,<br />
seiner Dinge, seiner Wirklichkeiten,<br />
rechte links und linke rechts,<br />
<br />
die er eingesteht und sagt und zeigt.<br />
Drauf, mit Ruhm und Dunkel ausgeschlagen,<br />
ruht der Spangenhelm, verkürzt,<br />
<br />
den das Flügelkleinod übersteigt,<br />
während seine Decke, wie mit Klagen,<br />
reich und aufgeregt herniederstürzt.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Buddha]]></title>
			<link>https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32163</link>
			<pubDate>Thu, 19 Dec 2024 08:43:28 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-forum.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32163</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Buddha</span><br />
<br />
Schon von ferne fühlt der fremde scheue<br />
Pilger, wie es golden von ihm träuft;<br />
so als hätten Reiche voller Reue<br />
ihre Heimlichkeiten aufgehäuft.<br />
<br />
Aber näher kommend wird er irre<br />
vor der Hoheit dieser Augenbraun:<br />
denn das sind nicht ihre Trinkgeschirre<br />
und die Ohrgehänge ihrer Fraun.<br />
<br />
Wüßte einer denn zu sagen, welche<br />
Dinge eingeschmolzen wurden, um<br />
dieses Bild auf diesem Blumenkelche<br />
<br />
aufzurichten: stummer, ruhiggelber<br />
als ein goldenes und rundherum<br />
auch den Raum berührend wie sich selber.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Buddha</span><br />
<br />
Schon von ferne fühlt der fremde scheue<br />
Pilger, wie es golden von ihm träuft;<br />
so als hätten Reiche voller Reue<br />
ihre Heimlichkeiten aufgehäuft.<br />
<br />
Aber näher kommend wird er irre<br />
vor der Hoheit dieser Augenbraun:<br />
denn das sind nicht ihre Trinkgeschirre<br />
und die Ohrgehänge ihrer Fraun.<br />
<br />
Wüßte einer denn zu sagen, welche<br />
Dinge eingeschmolzen wurden, um<br />
dieses Bild auf diesem Blumenkelche<br />
<br />
aufzurichten: stummer, ruhiggelber<br />
als ein goldenes und rundherum<br />
auch den Raum berührend wie sich selber.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Blaue Hortensie]]></title>
			<link>https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32162</link>
			<pubDate>Mon, 09 Dec 2024 11:21:10 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-forum.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32162</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Blaue Hortensie</span><br />
<br />
So wie das letzte Grün in Farbentiegeln<br />
sind die Blätter, trocken, stumpf und rauh,<br />
hinter den Blütendolden, die ein Blau<br />
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.<br />
<br />
Sie spiegeln es verweint und ungenau,<br />
als wollten sie es wiederum verlieren,<br />
und wie in alten blauen Briefpapieren<br />
ist gelb in ihnen, violett und grau;<br />
<br />
Verwachsnes wie an einer Kinderschürze,<br />
nicht mehr Getragnes, dem nichts mehr geschieht,<br />
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze?<br />
<br />
Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneun<br />
in einer von den Dolden, und man sieht<br />
ein rührend Blaues sich vor Grünem freun.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Blaue Hortensie</span><br />
<br />
So wie das letzte Grün in Farbentiegeln<br />
sind die Blätter, trocken, stumpf und rauh,<br />
hinter den Blütendolden, die ein Blau<br />
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.<br />
<br />
Sie spiegeln es verweint und ungenau,<br />
als wollten sie es wiederum verlieren,<br />
und wie in alten blauen Briefpapieren<br />
ist gelb in ihnen, violett und grau;<br />
<br />
Verwachsnes wie an einer Kinderschürze,<br />
nicht mehr Getragnes, dem nichts mehr geschieht,<br />
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze?<br />
<br />
Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneun<br />
in einer von den Dolden, und man sieht<br />
ein rührend Blaues sich vor Grünem freun.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Archaischer Torso Apollos]]></title>
			<link>https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32161</link>
			<pubDate>Sat, 07 Dec 2024 09:26:30 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-forum.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32161</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Archaischer Torso Apollos</span><br />
<br />
Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt,<br />
darin die Augenäpfel reiften. Aber<br />
sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber,<br />
in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,<br />
<br />
sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug<br />
der Brust dich blenden, und im leisen Drehen<br />
der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen<br />
zu jeder Mitte, die die Zeugung trug.<br />
<br />
Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz<br />
unter der Schultern durchsichtigem Sturz<br />
und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;<br />
<br />
und bräche nicht aus allen seinen Rändern<br />
aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle,<br />
die dich nicht sieht. Du musst dein Leben ändern.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Archaischer Torso Apollos</span><br />
<br />
Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt,<br />
darin die Augenäpfel reiften. Aber<br />
sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber,<br />
in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,<br />
<br />
sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug<br />
der Brust dich blenden, und im leisen Drehen<br />
der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen<br />
zu jeder Mitte, die die Zeugung trug.<br />
<br />
Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz<br />
unter der Schultern durchsichtigem Sturz<br />
und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;<br />
<br />
und bräche nicht aus allen seinen Rändern<br />
aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle,<br />
die dich nicht sieht. Du musst dein Leben ändern.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Adam]]></title>
			<link>https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32160</link>
			<pubDate>Thu, 24 Oct 2024 09:54:34 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-forum.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32160</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Adam</span><br />
<br />
Staunend steht er an der Kathedrale<br />
steilem Aufstieg, nah der Fensterrose,<br />
wie erschreckt von der Apotheose,<br />
welche wuchs und ihn mit einem Male<br />
<br />
niederstellte über die und die.<br />
Und er ragt und freut sich seiner Dauer<br />
schlicht entschlossen; als der Ackerbauer<br />
der begann, und der nicht wußte, wie<br />
<br />
aus dem fertig-vollen Garten Eden<br />
einen Ausweg in die neue Erde<br />
finden. Gott war schwer zu überreden;<br />
<br />
und er drohte ihm, statt zu gewähren,<br />
immer wieder, daß er sterben werde.<br />
Doch der Mensch bestand: sie wird gebären.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Adam</span><br />
<br />
Staunend steht er an der Kathedrale<br />
steilem Aufstieg, nah der Fensterrose,<br />
wie erschreckt von der Apotheose,<br />
welche wuchs und ihn mit einem Male<br />
<br />
niederstellte über die und die.<br />
Und er ragt und freut sich seiner Dauer<br />
schlicht entschlossen; als der Ackerbauer<br />
der begann, und der nicht wußte, wie<br />
<br />
aus dem fertig-vollen Garten Eden<br />
einen Ausweg in die neue Erde<br />
finden. Gott war schwer zu überreden;<br />
<br />
und er drohte ihm, statt zu gewähren,<br />
immer wieder, daß er sterben werde.<br />
Doch der Mensch bestand: sie wird gebären.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Sonette an Orpheus - Zweiter Teil]]></title>
			<link>https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32213</link>
			<pubDate>Sun, 16 Jun 2024 01:23:00 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-forum.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32213</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Sonette an Orpheus<br />
<br />
zweiter Teil<br />
 <br />
I</span><br />
<br />
Atmen, du unsichtbares Gedicht !<br />
Immerfort um das eigne<br />
Sein rein eingetauschter Weltraum. Gegengewicht,<br />
in dem ich mich rhythmisch ereigne.<br />
<br />
Einzige Welle, deren<br />
allmähliches Meer ich bin ;<br />
sparsamstes du von allen möglichen Meeren, -<br />
Raumgewinn.<br />
<br />
Wieviele von diesen Stellen der Räume waren schon<br />
innen in mir. Manche Winde<br />
sind wie mein Sohn.<br />
<br />
Erkennst du mich, Luft, du, voll noch einst meiniger Orte ?<br />
Du, einmal glatte Rinde,<br />
Rundung und Blatt meiner Worte.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Sonette an Orpheus<br />
<br />
zweiter Teil<br />
 <br />
I</span><br />
<br />
Atmen, du unsichtbares Gedicht !<br />
Immerfort um das eigne<br />
Sein rein eingetauschter Weltraum. Gegengewicht,<br />
in dem ich mich rhythmisch ereigne.<br />
<br />
Einzige Welle, deren<br />
allmähliches Meer ich bin ;<br />
sparsamstes du von allen möglichen Meeren, -<br />
Raumgewinn.<br />
<br />
Wieviele von diesen Stellen der Räume waren schon<br />
innen in mir. Manche Winde<br />
sind wie mein Sohn.<br />
<br />
Erkennst du mich, Luft, du, voll noch einst meiniger Orte ?<br />
Du, einmal glatte Rinde,<br />
Rundung und Blatt meiner Worte.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Sonette an Orpheus - Erster Teil]]></title>
			<link>https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32212</link>
			<pubDate>Sun, 16 Jun 2024 01:21:12 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-forum.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32212</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Sonette an Orpheus</span> <br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> erster Teil<br />
<br />
I</span><br />
<br />
Da stieg ein Baum. O reine Übersteigung !<br />
O Orpheus singt! O hoher Baum im Ohr!<br />
Und alles schwieg. Doch selbst in der Verschweigung<br />
ging neuer Anfang, Wink und Wandlung vor.<br />
<br />
Tiere aus Stille drangen aus dem klaren<br />
gelösten Wald von Lager und Genist;<br />
und da ergab sich, daß sie nicht aus List<br />
und nicht aus Angst in sich so leise waren,<br />
<br />
sondern aus Hören. Brüllen, Schrei, Geröhr<br />
schien klein in ihren Herzen. Und wo eben<br />
kaum eine Hütte war, dies zu empfangen,<br />
<br />
ein Unterschlupf aus dunkelstem Verlangen<br />
mit einem Zugang, dessen Pfosten beben, -<br />
da schufst du ihnen Tempel im Gehör.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Sonette an Orpheus</span> <br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> erster Teil<br />
<br />
I</span><br />
<br />
Da stieg ein Baum. O reine Übersteigung !<br />
O Orpheus singt! O hoher Baum im Ohr!<br />
Und alles schwieg. Doch selbst in der Verschweigung<br />
ging neuer Anfang, Wink und Wandlung vor.<br />
<br />
Tiere aus Stille drangen aus dem klaren<br />
gelösten Wald von Lager und Genist;<br />
und da ergab sich, daß sie nicht aus List<br />
und nicht aus Angst in sich so leise waren,<br />
<br />
sondern aus Hören. Brüllen, Schrei, Geröhr<br />
schien klein in ihren Herzen. Und wo eben<br />
kaum eine Hütte war, dies zu empfangen,<br />
<br />
ein Unterschlupf aus dunkelstem Verlangen<br />
mit einem Zugang, dessen Pfosten beben, -<br />
da schufst du ihnen Tempel im Gehör.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[An Grete Gulbranssons]]></title>
			<link>https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32206</link>
			<pubDate>Sun, 16 Jun 2024 01:19:45 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-forum.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32206</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">An Grete Gulbranssons</span><br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">I</span><br />
<br />
"Nicht als ein neues, äusserstens als eins,<br />
Das hinter Bücherreihen sich wiederfände,<br />
gerathe dieses Buch in Ihre Hände<br />
Und leugne seines Fortgewesenseins<br />
<br />
verstecktes Los. O Bücher, Gegenstände,<br />
aus unsichtbarer und erwollter Welt<br />
geglückt geformt und plötzlich hingestellt<br />
Um Binnentage: Milderung der Wände.<br />
<br />
Ist Leben Leben, setzt es nirgends aus<br />
Wie geht es zu, dass man Euch dennoch brauche<br />
Im vollen, wirkenden, beherzten Haus?<br />
<br />
Gesicht, Gehör, Gefühl: sie reichen nicht<br />
mehr Dasein aufzufassen: doch da spricht<br />
Die starke Stimme im entbrannten Strauche. <br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">An Grete Gulbranssons</span><br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">I</span><br />
<br />
"Nicht als ein neues, äusserstens als eins,<br />
Das hinter Bücherreihen sich wiederfände,<br />
gerathe dieses Buch in Ihre Hände<br />
Und leugne seines Fortgewesenseins<br />
<br />
verstecktes Los. O Bücher, Gegenstände,<br />
aus unsichtbarer und erwollter Welt<br />
geglückt geformt und plötzlich hingestellt<br />
Um Binnentage: Milderung der Wände.<br />
<br />
Ist Leben Leben, setzt es nirgends aus<br />
Wie geht es zu, dass man Euch dennoch brauche<br />
Im vollen, wirkenden, beherzten Haus?<br />
<br />
Gesicht, Gehör, Gefühl: sie reichen nicht<br />
mehr Dasein aufzufassen: doch da spricht<br />
Die starke Stimme im entbrannten Strauche. <br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Die Insel]]></title>
			<link>https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32180</link>
			<pubDate>Fri, 14 Jun 2024 08:51:42 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-forum.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32180</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Die Insel<br />
<br />
I</span><br />
<br />
Die nächste Flut verwischt den Weg im Watt,<br />
und alles wird auf allen Seiten gleich,<br />
die kleine Insel draußen aber hat<br />
die Augen zu; verwirrend kreist der Deich<br />
<br />
um ihre Wohner, die in einen Schlaf<br />
geboren werden, drin sie viele Welten<br />
verwechseln, schweigend; denn sie reden selten,<br />
und jeder Satz ist wie ein Epitaph<br />
<br />
für etwas Angeschwemmtes, Unbekanntes,<br />
das unerklärt zu ihnen kommt und bleibt.<br />
Und so ist alles, was ihr Blick beschreibt<br />
<br />
von Kindheit an, nicht auf sie Angewandtes,<br />
zu Großes, Rücksichtsloses, Hergesandtes,<br />
das ihre Einsamkeit noch übertreibt.<br />
<br />
<br />
.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Die Insel<br />
<br />
I</span><br />
<br />
Die nächste Flut verwischt den Weg im Watt,<br />
und alles wird auf allen Seiten gleich,<br />
die kleine Insel draußen aber hat<br />
die Augen zu; verwirrend kreist der Deich<br />
<br />
um ihre Wohner, die in einen Schlaf<br />
geboren werden, drin sie viele Welten<br />
verwechseln, schweigend; denn sie reden selten,<br />
und jeder Satz ist wie ein Epitaph<br />
<br />
für etwas Angeschwemmtes, Unbekanntes,<br />
das unerklärt zu ihnen kommt und bleibt.<br />
Und so ist alles, was ihr Blick beschreibt<br />
<br />
von Kindheit an, nicht auf sie Angewandtes,<br />
zu Großes, Rücksichtsloses, Hergesandtes,<br />
das ihre Einsamkeit noch übertreibt.<br />
<br />
<br />
.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Das Portal]]></title>
			<link>https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32166</link>
			<pubDate>Wed, 12 Jun 2024 09:22:20 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://sonett-forum.de/member.php?action=profile&uid=1">ZaunköniG</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://sonett-forum.de/showthread.php?tid=32166</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Das Portal</span><br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">I</span><br />
<br />
Da blieben sie, als wäre jene Flut<br />
zurückgetreten, deren großes Branden<br />
an diesen Steinen wusch, bis sie entstanden;<br />
sie nahm im Fallen manches Attribut<br />
<br />
aus ihren Händen, welche viel zu gut<br />
und gebend sind, um etwas fest zu halten.<br />
Sie blieben, von den Formen in Basalten<br />
durch einen Nimbus, einen Bischofshut,<br />
<br />
bisweilen durch ein Lächeln unterschieden,<br />
für das ein Antlitz seiner Stunden Frieden<br />
bewahrt hat als ein stilles Ziffernblatt;<br />
<br />
jetzt fortgerückt ins Leere ihres Tores,<br />
waren sie einst die Muschel eines Ohres<br />
und fingen jedes Stöhnen dieser Stadt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Das Portal</span><br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">I</span><br />
<br />
Da blieben sie, als wäre jene Flut<br />
zurückgetreten, deren großes Branden<br />
an diesen Steinen wusch, bis sie entstanden;<br />
sie nahm im Fallen manches Attribut<br />
<br />
aus ihren Händen, welche viel zu gut<br />
und gebend sind, um etwas fest zu halten.<br />
Sie blieben, von den Formen in Basalten<br />
durch einen Nimbus, einen Bischofshut,<br />
<br />
bisweilen durch ein Lächeln unterschieden,<br />
für das ein Antlitz seiner Stunden Frieden<br />
bewahrt hat als ein stilles Ziffernblatt;<br />
<br />
jetzt fortgerückt ins Leere ihres Tores,<br />
waren sie einst die Muschel eines Ohres<br />
und fingen jedes Stöhnen dieser Stadt.]]></content:encoded>
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